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05.05.2014

Windkraft in Baden Württemberg – viel Wind um wenig Energie

  • viel Wind um wenig Energie
  • viel Wind um wenig Energie

„Windkraft in Baden-Württemberg ist eine kontrovers geführte Diskussion, denn in Süddeutschland sind die Windwerte einfach zu niedrig“. Mit diesen Worten führte der Referent des Abends Hansjörg Jung aus Herrenberg im Römerhof Gültstein in die Thematik ein. Die Windgeschwindigkeit geht mit der dritten Potenz in die Wirtschaftlichkeitsrechnung ein, denn eine Erhöhung der Windwerte um 10 % steigert den Ertrag um 30 %, dies haben viele Investoren bis heute nicht verstanden. Hart ging er mit dem Baden-Württembergischen Windatlas ins Gericht der zu hohe Windwerte ausweist und den Planungsverbänden eine Wirtschaftlichkeit vorgaukelt wo keine ist. Als Beispiel führte Jung im Grenzgebiet zur Schweiz den „Hohen Randen“ an der im heimischen Windatlas mit 6,78 m/sec ausgewiesen wird was für eine dortige Windkraftanlage einen jährlichen Gewinn von 211.500 € bedeuten würde. Schaut man in den Schweizer Windatlas so sind es dort nur 4,2 m/sec was einen rechnerischen Verlust von 111.100 € pro Jahr ergibt.

Es handelt sich um ein systematisches Problem. Der Windatlas wurde in den 80er Jahren in Skandinavien für flaches Gelände entwickelt es handelt sich hierbei um Windwerte die am Computer modelliert wurden.

Es häufen sich die Fälle wo es bei Windmessungen mittels Messmast zu erheblichen Abweichungen zum Windatlas gekommen ist. Das Gelände ist anders als in Norddeutschland in Süddeutschland hügelig und komplex, hinzu kommt die unterschiedliche Rauhigkeit der Oberfläche durch Bewuchs. Jung berichtete von guten Standorten und zahlreichen Fehlinvestitionen, das ärgerliche ist, dass man diese bei genauerer Planung und Windmessung hätte vermeiden können. „Der Regionalverband südlicher Oberrhein hat die Problematik erkannt und den Windatlas und den Windkrafterlass der Landesregierung zur Seite gelegt und plant nur noch in Gebieten mit mehr als 6 m/sec, die haben es richtig gemacht“ stellt Jung fest. Viele Bürgermeister beklagen die hohen Planungskosten zum Artenschutz und haben sich frustriert aus der Windkraft gänzlich zurückgezogen und empfehlen den Kollegen es ihm gleichzutun. Hinzu kommen zahlreiche Restriktionen wie Landschaftsschutzgebiete, Richtfunkstrecken, Radaranlagen und was sonst noch zu beachten ist. Riesengroß ist die Liste der Schutzgüter die zu bewerten sind.

Groß ist die Verwirrung im Regionalverband Donau-Iller wo eine staatsvertragliche Regelung mit Bayern besteht. Da in Bayern nunmehr die sog. 10H Lösung (=zehnfacher Bauhöhe Abstand zur Wohnbebauung) gilt rätselt man im dortigen Regionalverband, ob die 700 m Abstände zu Wohnbebauung gelten oder 2000 m. Die stärkste Planungstätigkeit ist derzeit auf der Ostalb und in Hohenlohe wo auch die Windhöffigkeit bessere Voraussetzungen liefert. Die Verunsicherung in der Windkraftplanung wurde durch die Einspeisekürzung noch verstärkt, die Banken haben auf Anfrage mitgeteilt, dass sie bei Kreditanfragen noch vorsichtiger werden und einen höheren Eigenkapitalanteil fordern werden.

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